Wenn schon bei kleinsten Anstrengungen die Luft wegbleibt, muss dies nicht zwingend auf mangelnde Kondition zurückzuführen sein. Auslöser kann auch der so genannte Lungenhochdruck sein. Sowohl Vererbung als auch die Einnahme bestimmter Medikamente sind dabei als Ursache denkbar, jedoch selten. Viel häufiger tritt Lungenhochdruck als Folgeerkrankung auf. Nicht nur Erwachsene, auch Kinder können davon betroffen sein.
Neben dem großen Körperkreislauf hat der Mensch noch einen zweiten, kleineren, den Lungenkreislauf. Von den Organen kommt sauerstoffarmes Blut zum rechten Herzen. Dieses pumpt das Blut weiter in die Lunge. Hier findet der Gasaustausch statt. Kohlendioxid wird vom Blut abgegeben, Sauerstoff wird aufgenommen. Das so wieder aufgefrischte Blut fließt dann zum linken Herzen und von dort zurück in den Körper.
In diesem kleinen Lungenkreislauf kann eine Hochdruckerkrankung entstehen. Als eigenständige Krankheit, medizinisch idiopathische pulmonal-arterielle Hypertonie (IPAH) genannt, ist der Lungenhochdruck selten. In Deutschland leiden etwa 5000 bis 6000 Menschen darunter. Er kann aber auch in Folge anderer Krankheiten auftreten. Dies erhöht die Zahl der Betroffenen auf mindestens ein bis zwei Millionen.
Bei der Entstehung eines Lungenhochdrucks spielen die Vererbung, aber auch bestimmte Medikamente eine Rolle. Ein Lungenhochdruck kann sich auch als Folgekrankheit ausbilden: bei einer koronaren Herzerkrankung, Linksherzschwäche, bestimmten angeborenen Herzfehlern, Leber- und Bindegewebserkrankungen (CREST-Syndrom, Lupus erythematodes, Sklerodermie), nach wiederholten Lungenembolien oder bei einer chronisch obstruktiven Bronchitis (häufigste Ursache: Rauchen).

Typisch ist eine verminderte Anzahl an Lungengefäßen. Diese verengen sich zusätzlich und sind insgesamt weniger elastisch. Damit dennoch genug Blut durch die Gefäße fließen und in der Lunge ausreichend mit Sauerstoff angereichert werden kann, muss die rechte Herzhälfte mehr leisten und gegen den Widerstand der verengten Lungengefäße arbeiten. Das alles führt zu einem Druckanstieg. Durch die ständige Überlastung kann die Krankheit zu einem Herzversagen führen.
Bei Kindern und Neugeborenen ist ein angeborener Herzfehler die häufigste Ursache für den Lungenhochdruck. Bei Neugeborenen kann es zudem vorkommen, dass sich der Lungenkreislauf nach der Geburt nicht sofort umstellt.
Anfangs klagen die Betroffenen über Müdigkeit, sie sind vermindert belastbar und kurzatmig, vereinzelt klagen sie über Bluthusten. Später kommt es dann zu einem Druckgefühl in der Brust vor allem bei Belastung, Wassereinlagerungen (Ödemen) an den Unterschenkeln und im Bauchraum, Luftnot und Ohnmacht.
Die Symptome für einen Lungenhochdruck bei Kindern sind oft unspezifisch. Beim Säugling stehen oft Appetitmangel und verzögertes Wachstum im Vordergrund, beim älteren Kind äußert sich die Krankheit durch Atemnot insbesondere bei Belastung, ständige Müdigkeit und Schwindel. Im fortgeschrittenen Stadium neigen auch ältere Kinder zu Ohnmachtsanfällen, Reizhusten, in den Beinen sammelt sich Wasser an, iihre Lippen verfärben sich blau und der Blutdruck sinkt ab.
Bei Verdacht auf einen Lungenhochdruck führt der Kardiologe zuerst ein Elektrokardiogramm (EKG) durch. Die Auswertung gibt Aufschluss, ob das rechte Herz verstärkt belastet ist. Eine Röntgenuntersuchung der Thoraxorgane zeigt mögliche Veränderungen an Herz und Lunge. Bei der Echokardiografie, einer Ultraschalluntersuchung des Herzens, prüft der Kardiologe die Herzgröße, die Dicke der Herzwände, die Bewegung der Herzklappen und die Strömungsverhältnisse im Herzen.
Die wichtigste Untersuchung zur Diagnosestellung ist die Herzkatheteruntersuchung mit der Druckmessung im rechten Herzen und der Lungenarterie. Ist die Ursache weiterhin unklar, kann eine Gewebeprobe der Lunge durchgeführt werden. Für die Überwachung des Krankheitsverlaufs und die Überprüfung der Medikation ist neben anderen regelmäßigen Kontrolluntersuchungen auch ein Sechs-Minuten-Gehtest wichtig.

Für die Behandlung stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Sie werden als Tablette eingenommen oder inhaliert. Das Ziel der medikamentösen Behandlung ist es, auf die Gefäße einzuwirken und dafür zu sorgen, dass sie sich weiten. Gelingt dies, sinkt der Blutdruck und das Herz wird entlastet.
Führt keine der medikamentösen Behandlungen zu einem langfristigen Erfolg oder verlieren die Medikamente mit der Zeit an Wirkung, wird eine Operation nötig. Erreichbare Gefäßverengungen kann der Chirurg weiten. Um das Herz zu entlasten, öffnet er die Vorhofscheidewand an einer kleinen Stelle, damit das Blut teilweise an der Lunge vorbeigeleitet wird. Sind auch diese Maßnahmen nicht erfolgreich, ist eine Herz-Lungen-Transplantation der letzte Ausweg.
Die Prognose von Patienten mit einem Lungenhochdruck ist so individuell wie die Auslöser der Krankheit. Eine erfolgreiche Behandlung ist nur dann erfolgreich, wenn die Grunderkrankung therapiert wird.
Haben sich die Lungengefäße in Folge der Krankheit erst einmal verändert (fixierter Lungenhochdruck), gibt es keine Heilungschance. Es bleibt nur die Möglichkeit, die Symptome lebenslang mit Medikamenten zu mildern. Solange die Arterien und Gefäße auf die Wirkstoffe reagieren, kann der Betroffene ohne größere Eingriffe weiterleben. Die körperlichen Einschränkungen wie Kurzatmigkeit und schnelle körperliche Erschöpfung sind aber nicht zu therapieren.
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