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21. März 2010
 

Volle Kanne

 
Mo-Fr, 9.05 Uhr
Dank moderner Prothesen ist für Beinamputierte ein weitgehend normales Leben möglich. Quelle: ZDF
Dank moderner Bein-Prothesen kann Laufen auch nach der Amputation möglich sein.

Kein ganzer Mensch mehr?

Leben mit Amputation

Jahr für Jahr müssen sich allein in Deutschland mehr als 60.000 Menschen einer Amputation unterziehen. Ein solch drastischer Eingriff kann durch einen Unfall oder eine Krankheit notwendig werden. Wie lebt es sich nach einer solchen Operation, und wie wird man mit diesem Schicksalsschlag überhaupt fertig?

 
 
 
 

In Deutschland werden jährlich etwa 60.000 Amputationen durchgeführt. Dabei wird ein Körperteil chirurgisch abgetrennt, wobei zu 90 Prozent die unteren Extremitäten (Fuß, Unterschenkel, Oberschenkel) betroffen sind.

 

Ziel einer solchen Operation ist es, einen Stumpf zu erhalten, der eine möglichst optimale Ansatzfläche für eine Prothese ermöglicht. Die Amputation wird als letztes Mittel eingesetzt, wenn das betroffene Körperteil nicht heilt (beispielsweise bei massiven Wundheilstörungen). Im Extremfall kann eine Amputation auch notwendig sein, um einem Patienten das Leben zu retten. Die meisten Amputationen (70 Prozent) werden in Deutschland bei Diabetikern vorgenommen.

Bandagierter Fuß. Quelle: ZDF
ZDF
Ein "diabetischer Fuß" kann zur Amputation führen.

Vielfältige Ursachen

Zu den Gründen für eine Amputation zählen Gefäßerkrankungen, Verletzungsfolgen, bösartige Tumore, Infektionen und angeborene Fehlbildungen. Begleiterkrankungen wie die Zuckerkrankheit Dieser Link ist nicht mehr verfügbar (Diabetes mellitus) und Bluthochdruck. Aber auch Faktoren wie Nikotingenuss, Übergewicht und nicht zuletzt das Alter und die damit fortschreitende Arteriosklerose (Gefäßverschluss) spielen eine Rolle.

Denn eine Amputation wird dann notwendig, wenn es zum Verschluss der Arterien gekommen ist und das Gewebe nekrös wird, also abstirbt. Ein entzündlicher Prozess, der eine Sepsis auslösen könnte, kann ebenfalls ein Grund für eine Amputation sein.

 

Probleme vor und nach der Amputation

Je nach Grunderkrankung gibt es eine Vielzahl von Symptomen, die im Endeffekt eine Amputation notwendig machen können. Vorboten einer arteriellen Verschlusskrankheit zum Beispiel können Schmerzen nach längerem Gehen sein, häufig gepaart mit einem kalten Gefühl im Bein oder Fuß. Mit zunehmender Krankheitsentwicklung werden die Pausen zwischen Belastung und Schmerzbeginn immer kürzer.

 

Nach der Amputation kann es beim Tragen der Prothese zum Wundscheuern und zu Druckstellen kommen. 50 bis 80 Prozent der Amputierten klagen darüber hinaus über Phantomschmerzen, also über ein Kribbeln oder schmerzhaftes Ziehen an dem nicht mehr vorhandenen Körperteil. Die genauen Ursachen hierfür sind noch nicht geklärt.

 

Infobox

Der Arzt entscheidet

Aufgrund der Grunderkrankung wird von ärztlicher Seite vor allem dann über eine Amputation entschieden, wenn das Abnehmen der Gliedmaßen aufgrund von Arterienverschluss oder Sepsisgefahr gegeben ist.

 
 

Platz für Prothese schaffen

Wichtig bei der Amputation ist, dass ein gut zu versorgender Stumpf entsteht, denn dieser muss später den Druck der Prothese aufnehmen können, ohne wund zu scheuern. Dazu werden die Muskeln über den knöchernen Stumpf gezogen, die Narbe liegt dabei außerhalb der Belastungszone. Die durchtrennten Nerven liegen ebenfalls nicht in der Belastungszone.

 
Amputierter Unterschenkel. Quelle: ZDF
ZDF
Nach der Amputation: Es ist wichtig, dass der Stumpf kegelförmig ist, um eine Prothese gut befestigen zu können.
 

Ist der Stumpf nach der Operation abgeheilt, wird eine elastische Hülle darüber gezogen, die den Stumpf weiter ausformen soll. Dabei wird ein möglichst kegelförmiger Stumpf angestrebt. Diese Form verspricht die wenigsten Komplikationen in Hinblick auf Druckstellen durch die Prothese. Es kann nötig sein, die Prothese mehrmals anzupassen, bevor ein optimales Ergebnis erreicht wird.

 

Alles auch Kopfsache

Prothesen sind zum einen wichtig, um Körperfunktionen wie zum Beispiel das Gehen wieder zu ermöglichen. Zum anderen sind sie jedoch auch wichtig für die Psyche der Betroffenen. Eine psychologische Betreuung ist sinnvoll, da sich das Leben von Amputierten nach dem Eingriff radikal ändert und die Betroffenen lernen müssen, mit der veränderten Situation zurechtzukommen.

 

Für die Behandlung von Phantomschmerzen gibt es Medikamente. Eine Elektrostimulation des Rückenmarks kann ebenfalls wirksam sein. Eine Spiegeltherapie Dieser Link ist nicht mehr verfügbar , in der die noch vorhandenen Gliedmaßen in einem Spiegel die fehlenden "ersetzen", hat sich ebenfalls als hilfreich erwiesen. Dabei kann der Betroffene die fehlenden Gliedmaßen, die im Spiegel "real" werden, aus einer meist als schmerzhaft empfundenen, eingebildeten Stellung lösen.