Noch vor 40 Jahren galt die Orchidee als schwieriges Pflänzchen, das nur bei Spezialisten gedeiht. Mittlerweile zählt die Pflanzenfamilie zu den Top-Sellern auf dem Zimmerpflanzenmarkt: 20 Prozent des Umsatzes entfallen auf Orchideen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie lange Freude an Ihren Orchideen haben und das Beste aus den Pflanzen herausholen.
Die seit Mitte der 70er Jahre begonnenen Zuchtbemühungen tragen Früchte: Durch intensive Kreuzungsarbeit wurden in den modernen Züchtungen Eigenschaften vereint, die Orchideen nicht nur zu pflegeleichten und robusten Pflanzen haben werden lassen, sondern auch zu außerordentlichen Schönheiten. Immer neue Arten kommen dazu: Sogar solche, die für das warme Zimmer genauso geeignet sind wie für einen geschützten Stand im Freien während des Sommers.

Die Orchideenpflege ist einfach, wenn man einige Basisregeln beachtet: Orchideen kommen aus den Tropen und werden als Aufsitzerpflanzen vom Regenwasser gegossen. Es gibt nur ganz wenige Arten, die auch Kalkwasser vertragen. Diese sind aber nur selten im Handel erhältlich. Also unbedingt weiches Wasser verwenden - aber kein destilliertes Wasser, denn das ist tödlich für die Pflanze. Weil Orchideen auf Bäumen wachsen, bekommen sie alle Feuchtigkeit von oben. Sie haben oft keinen Erdkontakt und mögen die "Über-Kopf-Brause". Also ruhig die Pflanzen komplett in der Dusche mit handwarmem Wasser überbrausen. Alternativ kann man die Pflanzen samt Topf tauchen - den Dünger dabei nicht vergessen. Staunässe im Übertopf sollte unbedingt vermieden werden.
Regenwasser enthält immer gelöste Stoffe, die aus dem Staub in der Luft stammen oder die sich in der Atmosphäre etwa bei Gewittern bilden. Diese gelösten Stoffe fungieren als Dünger. Weil im Regen nur wenige dieser Stoffe gelöst sind, geben sich die Orchideen auch mit wenig Dünger zufrieden. Daher immer Orchideendünger verwenden und die empfohlene Dosierung unbedingt einhalten. Noch besser ist es, den Dünger bei jedem Gießen zu verabreichen und dafür mindestens um die Hälfte zu reduzieren. Als Aufsitzerpflanzen mögen Orchideen Rinde. Daher ist in speziellem Orchideensubstrat viel Rinde enthalten. Herkömmlicher Rindenmulch eignet sich nicht, da er viel zu sauer ist. Schließlich stammt er von heimischen Nadelbäumen.
Luftwurzeln dürfen nicht abgeschnitten werden! Eine Möglichkeit ist, transparente Innen- und Übertöpfe zu verwenden. Orchideenwurzeln sind Spezialisten, die als Wasserspeicher und als Stoffwechselorgan dienen. Werden Orchideenwurzeln nass, verfärben sie sich wegen des Chlorophylls grün. Wenn die Wurzeln im Substrat "arbeiten" können, bleiben sie auch darin. Ist es zu dunkel oder zu trocken, suchen sie bessere Bedingungen: Sie wachsen dann in alle Richtungen aus dem Topf. Einige Luftwurzeln wachsen aber immer heraus. Ein größerer Topf kann dann sinnvoll sein.

Es gibt drei Pflegegruppen bei Orchideen: Jene, die es immer warm oder immer kühl mögen und solche, die im Sommer sogar ins Freie können. Zu den Orchideen, die es warm mögen, gehört die Phalaenopsis, die Malaienblume. Sie verträgt es nicht, ständig umgestellt zu werden, sondern bevorzugt einen festen Platz. Daher sollte am Topf eine Markierung angebracht werden, mit welcher Seite sie zum Fenster steht.
Auch die Masdevallien mögen es immer warm. Sie gehören zu den Ausnahmen, die etwas mehr Dünger als normal benötigen. Sie werden also eher wie normale Zimmerpflanzen gepflegt und vertragen es selbst im Sommer nicht im Freien. Auch viele sogenannte Frauenschuhe lieben es eher warm als kühl. Sie erkennt man an den gescheckten Blättern. Allerdings gibt es hier auch Arten für kühle Räume.
Orchideen mögen keine direkte Sonne, brauchen aber viel Licht. Deshalb sollte man die Orchideen auf eine helle Fensterbank oder in die Nähe des Fensters stellen. Denn zum Inneren des Raumes hin nimmt die Lichtintensität deutlich ab. Vor zu direkter Sonne sollten die Orchideen jedoch geschützt werden - besonders im Frühjahr und Sommer. Nach den dunklen Wintermonaten sind sie noch nicht an das intensive Licht gewöhnt.
Weniger bekannt sind Arten für eher kühle Räume. Dazu gehören Frauenschuhe, die einfach grün gefärbte Blätter haben. Sie fühlen sich als Gebirgspflanzen des Himalayas bei 15 Grad am wohlsten. Auch Abkömmlinge der Odontoglossum-Arten benötigen als Hochgebirgspflanzen der amerikanischen Tropen nicht die volle Wärme. Sie lieben es kühl bis temperiert und blühen üppig. Duft und einfache Pflege in kühlen Räumen - das ist das Kennzeichen von Dendrobium kingianum aus Australien. Diese weiß und pink blühende Orchidee vermehrt sich gut und verträgt viel Trockenheit.

Die imposant wachsende Cymbidie hat es gerne kühl und kann sogar im Sommer ins Freie. Die eigentlich mehr als Schnittblume bekannte Orchidee kann am richtigen Standort mehrere Wochen lang blühen. Sie liebt es geradezu, den Sommer im Freien im lichten Schatten von Bäumen zu verbringen. Ein Trick: Damit der hohe Topf nicht umkippt, sollte man ihn zur Hälfte eingraben. Dann ist auch der Wurzelballen vor Austrocknung besser geschützt. Auch die kühleverträglichen Arten der Frauenschuhe lieben die Sommerfrische im kühlen Schatten des Gartens.
An den Stängeln der Malaien-Orchidee treiben oft Blätter aus. Man sollte diese aber nicht abschneiden, da es sich um Jungpflanzen handelt. Sie sollten die Triebe solange an den Stängeln wachsen lassen, bis sich genügend Wurzeln gebildet haben. Anschließend kann man sie abschneiden und eintopfen - wie die Mutterpflanze. Anfängliches Austrocknen sollten Sie vermeiden, bis die Wurzel gestärkt ist.
Blühend gekauften Orchideen fehlt die Ruhezeit, sodass sie oft längere Zeit danach nicht wieder blühen. Bei Malaienblumen ist eine etwas kühlere und trockene Pause von mindestens einem, besser zwei Monaten erforderlich. Auch in den Tropen ist nicht ganzjährig jeden Tag gleiches Wetter. Hier gibt es Regenzeit und Trockenzeit.
Bei Cattleyen ist es sogar so extrem, dass die Bulben regelrecht in der trockenen Hitze schrumpeln müssen, damit sie Knospen ansetzen und dann jedes Jahr blühen. Bei Cymbidien oder kühleverträglichen Frauenschuhen reicht es, sie im Sommer ins Freie zu stellen und im Herbst so lange draußen zu lassen, dass sie gerade keinen Frost mitbekommen. Auch hier induziert die Kälte die Blüte.