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23. Februar 2012
 

Volle Kanne

 
Mo-Fr, 9.05 Uhr
Frau kneift schmerzende Augen zusammen. Quelle: dak/rickers
Allein in Deutschland leiden fünf Millionen Menschen an trockenen Augen.

Wenn trockene Augen
zum Problem werden

Speichel ersetzt Tränenflüssigkeit

Trockene Augen sind in Deutschland ein weit verbreitetes Problem. Die meisten haben das ganz gut im Griff. Es gibt allerdings Extremfälle, bei denen keine Therapie hilft - bei denen die Tränendrüsen überhaupt keine Tränenflüssigkeit mehr produzieren. Sie haben ständig so starke Beschwerden, dass sie keinen normalen Alltag mehr haben. Doch auch für diese Fälle gibt es eine Lösung.

 
 
 
 

Trockene Augen können in den meisten Fällen durch einen Augenarzt oder die Umstellung mancher Lebensumstände gut therapiert werden: Künstliche Tränen, gutes, feuchtes Raumklima, verringerter Einsatz der Klimaanlage oder das Tragen von Sonnenbrillen.

 

Nach Expertenschätzungen leben in Deutschland ungefähr fünf Millionen Menschen mit trockenen Augen. Der Tränenfilm, der aus drei unterschiedlichen Schichten sehr kompliziert aufgebaut ist, benetzt die Augenoberfläche: Lidinnenseite, Bindehaut und Hornhaut. Dadurch hält er die Oberfläche des Augapfels glatt und ermöglicht gutes Sehen.

 

Schmerzhafte Auswirkungen

Eine trockene Oberfläche wird rau, schmerzhaft und kann im Extremfall zu Sehstörungen führen. Der gesunde Tränenfilm schützt auch vor Infektionen. Je trockener das Auge ist, umso höher ist die Infektionsgefahr. Auch die Versorgung der Hornhaut mit Sauerstoff und Nährstoffen ist eine weitere wichtige Funktion. Der Sauerstoff wird direkt über den Tränenfilm aus der Luft bezogen und so an die Hornhaut geleitet.

 
Pupillen verschiedener Menschen. Quelle: dpa
dpa
Nicht immer können trockene Augen mit einfachen Mitteln behandelt werden.
 

In ganz seltenen Fällen ist das trockene Auge nicht ausreichend therapierbar. Diese Patienten tragen neben den Beschwerden auch das Risiko, eine Schädigung des Auges zu erhalten. Bei diesen stark betroffenen Patienten kann zudem die Gefahr bestehen, dass an der Hornhaut irreparable Schäden entstehen, dem Auge kann sogar Erblindung drohen. Ist bei diesen Patienten eine defekte Tränendrüse der Auslöser, kann nach ausführlicher augenärztlicher Untersuchung eine in Deutschland selten durchgeführte Operation helfen.

 

Speicheldrüse in der Schläfe

Bei dieser Operation wird die Speicheldrüse des Unterkiefers in die Schläfe implantiert. Dort kann sie mit Nerven und Gefäßen so verbunden werden, dass sie die Funktion der defekten Tränendrüse übernehmen kann. Der Speichel benetzt dann, anstatt der Tränenflüssigkeit, die Augenoberfläche.

 

Speichel- und Tränenflüssigkeit sind vom Aufbau in manchen Dingen ähnlich. Vor allem kann der Speichel die Augen mit den nötigen Nährstoffen versorgen. Bei der Operation entstehen am Hals und an der Schläfe Narben, die sich allerdings durch natürliche Faltenbildung und Haarwuchs später gut verstecken lassen.

Nachbesserung nötig?

Ob eine Operation erfolgreich war, lässt sich erst nach einigen Wochen sehen, denn so lange dauert es, bis die Speicheldrüse die Funktion der Tränendrüse übernimmt. Manchmal stellt sich nach der Operation heraus, dass das System wegen anderer Defekte nicht ausreichend gut funktionieren kann.

Zwei Beispiele: Es kann sein, dass zu viel Speichel fließt. Bleibt das dauerhaft so, kann durch eine Operation die Produktion der Speicheldrüse, die jetzt als Tränendrüse funktioniert, reduziert werden. Die Flüssigkeitsmenge kann aber auch zu hoch sein, weil die Flüssigkeit durch die Tränenpünktchen nicht ausreichend gut abfließt. Eine Erweiterung dieser kann das beheben.

 

Gute Prognose

Der Speichel ist gut geeignet, die Tränen zu ersetzen. Betroffene haben gute Chancen, durch diese Operation weitere Schädigungen am Auge zu verhindern oder das Augenlicht zu retten.

 

Trotzdem sind einige Dinge anders: Es kann vorkommen, dass mehr Speichel in das Auge fließt, wenn der Betroffene schwitzt. Auch beim Genuss von scharfem Essen, kann es zu erhöhtem Speichelfluss in das Auge kommen. Der Verlust der Unterkieferspeicheldrüse im Mund hat nur sehr geringe Auswirkungen auf die Speichelproduktion beim Essen, denn der Mensch besitzt noch weitere Drüsen, die Speichel produzieren.

 

Infobox

Weitere Informationen

Klinik für Kiefer- und Gesichtschirurgie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck

 
 
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