Mehr als ein Prozent der Menschen sind Autisten. Doch was ist Autismus überhaupt? Trotz jahrzehntelanger Forschungen bleibt die Krankheit auch für Wissenschaftler in vielen Punkten rätselhaft. So weiß man bis heute nicht genau, was die Störung auslöst. Autismus gibt es in verschiedenen Ausprägungen. Eines ist jedoch allen gemein: Die Betroffenen haben ein gestörtes Verhältnis zur Umwelt und zu anderen Menschen.
Autismus meint eine angeborene, chronische Entwicklungsstörung. Das Gehirn von Betroffenen nimmt Eindrücke verfälscht wahr und kann Informationen nicht richtig verarbeiten. So haben Autisten zum Beispiel enorme Probleme bei der Interpretation von Gestik und Mimik. Kommunikation und Interaktion mit anderen ist deshalb sehr mühsam, da die Autisten aufgrund der falschen Wahrnehmung nicht angemessen reagieren können.
Je nach Schwere der Störung reichen die Beeinträchtigungen von leichten Kommunikationsstörungen, die auch als Schüchternheit interpretiert werden könnten, bis hin zu starker geistiger Behinderung. Ebenso typisch sind gleichförmige, immer wiederkehrende Verhaltensweisen. Mit ritualartigen Tätigkeiten können sich Autisten geradezu endlos lang beschäftigen.

Doch nicht alle Autisten sind gleich. Die beiden Hauptformen des Autismus bilden das Kanner-Syndrom, auch frühkindlicher Autismus genannt, und das Asperger-Syndrom. Ersteres macht sich bei Kindern schon im Alter von etwa einem Jahr bemerkbar, besonders durch eine stark verzögerte oder gar fehlende Sprachentwicklung. Autisten mit Kanner-Syndrom haben zudem häufig unter einer verminderten Intelligenz im Bereich der geistigen Behinderung zu leiden.
Anders sieht es bei Patienten mit Asperger-Syndrom aus, die über eine normale bis hohe Intelligenz verfügen. Teilweise sind Asperger-Autisten sogar hochbegabt. Auch ihre Sprachentwicklung verläuft normal. Im Gegensatz zu ihrer Motorik, die meist grob und minder koordiniert ist. Trotz dieser sehr unterschiedlichen Ausprägungen gehen heute viele Forscher über diese Einteilung hinaus und sprechen von einem Autismusspektrum, das verschiedene stufenlose Schweregrade kennt.
Je nach Schwere der Störung stehen auch unterschiedliche Therapiemethoden zur Verfügung. Die am besten wissenschaftlich abgesicherte Form ist die Verhaltenstherapie. Dabei sollen unerwünschte Verhaltensweisen wie übermäßig stereotypes oder (auto-)aggressives Verhalten abgebaut werden. Ein weiteres Ziel der Behandlung ist der Aufbau von sozialen und kommunikativen Fähigkeiten. Das einfache Prinzip der Therapie: konsequente Belohung von positivem Verhalten.

Ein anderer Ansatz ist zum Beispiel eine Behandlung, bei der Roboterspielzeug zum Einsatz kommt. Diese Therapie macht sich die autistische Vorliebe für mechanische Bewegungsabläufe zunutze.
Doch trotz Therapieerfolgen, eines bleibt klar. Autismus ist nicht heilbar. Woher er kommt, ist nicht hundertprozentig geklärt. Allerdings spielt Vererbung sicher eine wichtige Rolle, denn Familienangehörige von Autisten haben eine höhere Anfälligkeit für autistische und autismusähnliche Symptome. Welche konkret vorliegen, sollte anhand einer ausführlichen Elternbefragung durch einen Arzt geklärt werden.
Um andere Erkrankungen auszuschließen, sollten zudem körperliche und neurologisch-psychiatrische Untersuchungen durchgeführt werden. Überprüfungen in den Bereichen Wahrnehmung (Sehen, Hören), Sozialverhalten, Motorik, Sprache und Intelligenz liefern zusätzliche Informationen über die jeweiligen Defizite, aber auch Kompetenzen des Kindes. Denn nur so lässt sich ein individueller Therapieplan erstellen.