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09. Februar 2010
 

Volle Kanne

 
Mo-Fr, 9.05 Uhr
Hand legt Blutröhrchen auf Auswertungsbogen. Quelle: ZDF
Langzeitstudien sollten über den Sinn des Tests solide Ergebnisse bringen.

Unzuverlässig oder lebensrettend?

PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs umstritten

Prostatakrebs ist die häufigste bösartige Tumorart bei Männern in Deutschland. Doch das Abtasten der Prostata ist vielen Männern unangenehm. Weniger Überwindung kostet da ein einfacher Bluttest zur Bestimmung des so genannten PSA-Wertes. Allerdings ist der PSA-Test nach wie vor umstritten - trotz aktueller Studienergebnisse.

 
 
 
 Quelle: ZDF
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Computeranimation der Prostata

Die Prostata liegt unterhalb der Blase des Mannes und produziert ein Sekret, das der Ernährung und Fortbewegung von Samenzellen dient. Ist die Vorsteherdrüse, wie die Prostata auch genannt wird, von Krebs befallen, wächst ein Karzinom meist langsam und macht sich erst spät durch Symptome bemerkbar. Doch der Krebs ist aggressiv: An den Folgen des Tumors sterben hierzulande jährlich rund 11.000 Männer. Meistens erkranken Männern in den späten Sechzigern, also mit 67, 68 oder 69 Jahren. Relativ selten tritt er bei Männern vor dem fünfzigsten Lebensjahr auf.

 

Infobox

Standard-Therapie

Im Anfangsstadium kann der Tumor operativ entfernt werden. Bei Tumoren, die nicht vollständig entfernt werden können oder wenn bereits Metastasen vorhanden sind, ist meist eine Bestrahlung oder eine Hormonbehandlung erforderlich. Führen auch diese Behandlungsmethoden nicht zu dauerhaftem Erfolg, kann eine Chemotherapie notwendig sein.

 

Vorsorge ab dem 45. Lebensjahr

Der Vorsorge kommt bei der aggressiv verlaufenden Krebserkrankung eine große Bedeutung zu. Eine präventive Untersuchung bei einem Urologen bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen für Männer ab 45 Jahren. Bei familiär erhöhtem Risiko wird empfohlen, sich bereits früher präventiv untersuchen zu lassen.

 
Computeranimation Prostatakrebs. Quelle: ZDF
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Unregelmäßigkeiten an der Prostata - das Bild zeigt bereits fortgeschrittenen Krebs - kann der Arzt ertasten.

Bei der Tastuntersuchung fühlt der Arzt die Prostata durch den Darm ab - ein unangenehmes, aber wichtiges Verfahren, um mögliche Unregelmäßigkeiten an der Oberfläche der Drüse festzustellen. Veränderungen kann der Arzt auch auf dem Ultraschallbild erkennen. Mit beiden Methoden lässt sich ein Prostatakarzinom aber oft erst im fortgeschrittenen Stadium erkennen.

Arzt entnimmt Patienten Blut. Quelle: ZDF
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Zur Feststellung des PSA-Werts braucht der Arzt nur Blut.

Frühzeitiger Hinweis mit dem PSA-Test

Viel früher kann ein PSA-Test auf ein Prostatakarzinom hindeuten. PSA, ein Prostata-spezifisches Antigen, ist ein Eiweiß, das in der Vorsteherdrüse gebildet wird. Eine erhöhte Konzentration im Blut ist ein möglicher Hinweis auf Prostatakrebs. Für den Patienten ist das ein angenehmeres Verfahren, da nur sein Blut untersucht wird.

Der PSA-Test alleine ist aber nicht zuverlässig für eine Diagnose. Ergibt der Test einen Verdacht, muss der Arzt eine Gewebeprobe entnehmen. Außerdem können die PSA-Werte verfälscht sein: Auch Entzündungen, gutartige Prostatavergrößerungen oder körperliche Anstrengung können die PSA-Werte erhöhen.

 

Pro und Contra des Tests

Kritiker bemängeln, dass eine hohe Treffsicherheit unbedingt nötig sei. Schließlich ist bereits ein Krebsverdacht psychisch enorm belastend. Zudem wachsen viele Tumore so langsam, dass sie besonders für ältere Männer nicht mehr lebensbedrohlich werden. Da aber grundsätzlich alle entdeckten Tumore entsprechend der ungünstigsten Annahme behandelt werden, kann es passieren, dass einem Patienten ein Tumor entfernt wird, der ihn möglicherweise niemals beeinträchtigt hätte.

Operationsbesteck. Quelle: ZDF
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Operationen bergen schwere Risiken.

Im schlimmsten Falle wird der Patient dabei impotent, denn diese Operationen sind immer mit Risiken für Impotenz oder Inkontinenz verbunden. Die Befürworter des PSA-Tests heben jedoch hervor, dass der Test Leben retten könne.

Zwei Langzeitstudien

Zwei Langzeitstudien - eine in den USA, die andere in Europa - sollten nun erstmals solide Daten liefern, ob der PSA-Test zur Früherkennung sinnvoll ist. Doch die Ergebnisse lassen Raum für Interpretationen. Befürworter wie Kritiker des Verfahrens fühlen sich gleichermaßen bestätigt. Beide Studien erschienen im "The New England Journal of Medicine" im April dieses Jahres.

EXTERNE LINKS

Bei der europäischen Studie ("Screening and Prostate-Cancer Mortality in a Randomized European Study") wurden die Männer zufällig einer von zwei Gruppen zugeteilt. Männer der einen Gruppe erhielten alle vier Jahre ein PSA-Screening, die Männer der Kontrollgruppe erhielten keines. Die Daten decken einen Zeitraum von neun Jahren ab. Die Studie zeigte, dass bei den Männern, denen man den PSA-Test empfohlen hatte, etwa zwanzig Prozent weniger tumorbedingte Todesfälle aufgetreten sind als in der Gruppe, bei der man den Test nicht empfohlen hatte.

 

Sterblichkeit durch Test reduziert

 

Damit hat die Studie zwar den prinzipiellen Beweis geliefert, dass man mit dem PSA-Test die Sterblichkeit am Prostatakarzinom senken kann. Kritiker wenden nun aber ein, dass man statistisch gesehen 1410 Männer testen und 48 Tumoren behandeln muss, um ein Leben zu retten. Die übrigen 47 Karzinome führten, zumindest in den ersten neun Jahren, nicht zum Tod.

 

Nach Kritikermeinung sei ein flächendeckendes PSA-Screening demnach unverhältnismäßig. Vielmehr müssten Risikogruppen für Prostatakrebs genauer identifiziert werden. Die Befürworter bleiben demgegenüber weiterhin bei ihrer Empfehlung, den PSA-Wert im Alter von etwa 40 Jahren einmalig zu bestimmen.

 

Früherkennung ab 70 wenig sinnvoll

 

In einem Punkt scheint die europäische Studie jedoch eindeutig Licht zu bringen: Sie besagt, dass die Gruppe, bei der die Sterblichkeit gesenkt werden konnte, auf ein Alter von 55 bis 69 Jahren beschränkt sei. Demnach scheint eine Früherkennung für die meisten Senioren ab 70 Jahren nicht sinnvoll zu sein: Ein so entdeckter Tumor würde selten lebensbedrohlich werden.

 

Anders sieht das bei familiärer Vorbelastung aus. Familiäre Prostatakarzinome treten etwa zehn Jahre früher auf als die sporadischen Fälle. Wer familiär vorbelastet ist, sollte abwägen, ob er deswegen früher und konsequenter zum Test geht.

 

Geringe Aussagekraft

EXTERNE LINKS

Die amerikanische Studie ("Mortality Results from a Randomized Prostate-Cancer Screening Trial") liefert bei gleichem Studienaufbau ein anderes, ernüchterndes Ergebnis. Nach sieben bis zehn Jahren unterschied sich die Todesrate durch Prostatakrebs zwischen beiden Gruppen nur minimal und war kaum aussagekräftig.

 

Als Fazit lässt sich somit nur Folgendes ableiten: Trotz der neuen Studienergebnisse muss nach wie vor jeder Mann für sich selbst Pro und Contra abwägen und entscheiden, ob und mit welcher Methode er sich auf Prostatakrebs hin untersuchen lässt.