Zwischen zwei und fünf Milliarden Euro spenden die Deutschen jährlich für karitative Zwecke. Besonders in der Vorweihnachtszeit wollen viele Menschen helfen und gerade jetzt versuchen schwarze Schafe diese Hilfsbereitschaft auszunutzen. Doch wie erkennt man seriöse Organisationen?
Es gibt nach vorsichtigen Schätzungen mehr als eine halbe Million eingetragene gemeinnützige Vereine, rund 15.000 private Stiftungen sowie zahlreiche kirchliche Organisationen und nicht eingetragene Vereine, die allesamt auf Spenden angewiesen sind. Da ist es entsprechend schwierig, sich einen Überblick zu verschaffen. Experten raten dringend: In jedem Fall sollten Sie überlegt spenden und sich nicht von emotionalen oder psychischen Druckmitteln wie Elendsbildern beeinflussen lassen - diese sind oft ein Zeichen für Unseriosität. Zwar appelliert jede Hilfsorganisation an unser Mitgefühl, doch sollten die Sachinformationen überwiegen. Tipps gibt das Deutsche Sozialinstitut für soziale Fragen (DZI).(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster)
Trotz Vorsicht und Information ist für spendenwillige Bürger oft schwer zu erkennen, welche Organisationen effektiv arbeiten und verantwortungsvoll mit Spendengeldern umgehen. So sollte man zum Beispiel bei Spendenaufforderungen an der Haustür oder in der Fußgängerzone immer vorsichtig sein und sich den Ausweis zeigen lassen. Grundsätzlich gilt: Niemals seine Kontodaten leichtfertig an der Haustür preisgeben. Auch vor dem Kauf von Waren zwischen Tür und Angel, die angeblich von Menschen mit Behinderung gefertigt wurden, ist zu warnen. "Es sind keinesfalls einzelne schwarze Schafe, sondern eine ganze Herde. Ich werde regelmäßig verleumdet. Die Hintermänner zweifelhafter Organisationen sind bestens vernetzt und organisiert", erklärt Stefan Loipfinger, Journalist und Gründer von "CharityWatch.de".
Besser ist es, das Geld zu überweisen. So können Sie in Ruhe darüber nachdenken, wem der Betrag zukommen soll. Einzugsermächtigungen sind nur sinnvoll, wenn man zum Beispiel eine Fördermitgliedschaft mit regelmäßigen Zahlungen abschließen will. Viele Organisationen sind gerade auf Fördermitglieder angewiesen. Diese erhalten dann als Service zum Beispiel eine Zeitschrift, allerdings sollten Sie vor der Unterzeichnung die Kündigungsfrist überprüfen. Auch wenn nicht gesetzlich vorgegeben: Seriöse Organisationen räumen eine Rücktrittsmöglichkeit ein. Ob es sich um eine seriöse Organisation handelt, dafür kann das Gütesiegel des DZI als Anhaltspunkt dienen.

Das DZI vergibt seit 1992 ein Gütesiegel für humanitär-karitative Spendenorganisationen, Tier- und Umweltschutzorganisationen sind ausgenommen. Dafür werden die Organisationen hinsichtlich seriöser Spendenwerbung, transparenter Rechnungslegung und funktionierender Kontrollmechanismen überprüft. Darüber hinaus gibt das DZI auch ausführliche Einzelauskünfte über verschiedene Spendenorganisationen. Das Siegel tragen circa 270 Organisationen in Deutschland. Es wird nicht automatisch verlängert, sondern muss jedes Jahr erneut beantragt werden.
Es existieren auch kleine, seriöse Organisationen, die das DZI-Siegel nicht besitzen, da sie nur lokal arbeiten oder die Gebühren für das Siegel nicht entrichten können. Wer sich für eine solche spezielle Organisation interessiert, sollte diese direkt kontaktieren und Informationen anfordern, etwa den Jahresbericht. Das DZI hat 750 Organisationen verzeichnet, die kein Siegel tragen. Sie werden zwar nicht so eingängig geprüft wie jene Organisationen mit Siegel, sind aber dennoch positiv zu bewerten. Auch der Deutsche Spendenrat e.V. kann eine Anlaufstelle sein. Manche Hilfswerke bieten auch Einzel- oder Projektpatenschaften an. Vorteil: Der Spender weiß genau, wem er hilft und erhält oftmals sogar einen Nachbericht. Für die Organisationen sind solche Projektspenden jedoch kostenintensiver. Zweckgebundene Spenden sollten daher eher die Ausnahme sein.
Wer viele kleinere Spenden an mehrere Hilfsorganisationen überweist, verursacht einen höheren Verwaltungsaufwand als mit einem einmaligen größeren Betrag. Bei Einzelspenden ist es ratsamer, einmalig eine größere Summe zu überweisen. Im nächsten Jahr kann man dann eine andere Organisation unterstützen. Dauerspenden finden meist in Form einer Mitgliedschaft statt.
Der Vorteil für die Organisationen: Die Spenden sind besser einzuplanen. Ein Großteil der Spendengelder sollte am Ziel ankommen, aber eine Spendenorganisation kann ohne Werbung und Verwaltung nicht existieren: Laut DZI sind die Verwaltungs- und Werbungskosten bei seriösen Organisationen maximal zwischen 20 bis 35 Prozent anzusiedeln.

Viele möchten zu Weihnachten Sachspenden wie warme Kleidung oder Nahrungsmittel verschenken. Jede Art der Spende ist zu begrüßen, allerdings eignet sich Geld für die Organisationen am besten, da es flexibel eingesetzt werden kann. Sachspenden verschlingen immer auch Geld für Transport und Lagerung. Außerdem sind die Altkleider-Spenden oft in einem so schlechten Zustand, dass sich die Weitergabe nicht mehr lohnt. Wer gut erhaltene Kleidung abgeben möchte, sollte sich nach Kleiderkammern in seiner unmittelbaren Umgebung erkundigen. Stefan Loipfinger: "Das Wichtigste ist, dass jeder das gibt, was er kann - und dabei überlegt handelt. Wenn die Unterstützung, die bei unseriösen Organisationen landet, auf förderungswürdige Vereine umgelenkt wird, dann wäre schon sehr viel gewonnen".
Zunehmend ist es möglich, im Internet zu spenden. Das kann riskant sein, denn gerade das Netz macht es dubiosen Organisationen einfach, die Nutzer mit professionell gestalteten Webseiten zu blenden. Bei Spendenaufrufen im Web ist Skepsis angebracht, insbesondere wenn nur die Kontonummer und keine Anschrift oder Telefonnummer angegeben ist. Wenn Sie im Internet spenden möchten, sollten Sie versuchen, nähere Informationen über die entsprechende Organisation einzuholen. Fordern Sie beispielsweise Jahresberichte an oder lassen Sie sich Namen von Kooperationspartnern in Deutschland geben.
Bei einer Einzelspende bis 200 Euro reicht ein Überweisungsbeleg. Bei über 200 Euro benötigt man eine Spendenbescheinigung der Organisation, an die man Geld überwiesen hat. Spender können beim Finanzamt bis zu 20 Prozent ihrer Einkünfte als Sonderausgaben geltend machen. Das gilt aber nur für Spenden an Organisationen, die als steuerbegünstigt gemeldet sind (finanzamtlich bestätigte Gemeinnützigkeit).