Hauptnavigation:

Sie sind hier:

12. Februar 2012
 

Volle Kanne

 
Mo-Fr, 9.05 Uhr
Arzt betrachtet Röntgenaufnahme einer Lunge. Quelle: ap
Erkrankungen der Lunge lassen sich auch auf dem Röntgenbild erkennen.

Tuberkulose - neue Gefahr?

Resistente Bakterien breiten sich
immer mehr aus

Über Jahrhunderte war sie der Schrecken der Menschheit - vergleichbar mit Aids in der heutigen Zeit: die Tuberkulose. Dann entdeckte Robert Koch 1880 das Bakterium, das die Krankheit verursacht. Etwa vierzig Jahre später wurden wirksame Medikamente entwickelt. Die Tuberkulose galt als besiegt - und geriet weitgehend in Vergessenheit. Doch die "weiße Seuche" schlägt zurück: So genannte multi-resistente Tuberkulose-Bakterien, die nicht auf die gängigen Antibiotika reagieren, breiten sich immer mehr aus.

 
 
 
 

Meist wird Tuberkulose mit Entwicklungsländern in Verbindung gebracht. Doch auch in Deutschland ist die Erkrankung eine Gefahr, wenn auch eine latente: Denn in den vergangenen Jahren haben sich verstärkt so genannte multiresistente Tuberkulosebakterien entwickelt, die kaum noch auf die gängigen Medikamente ansprechen.

Frankfurt Flughafen - Terminal 2. Quelle: dpa
dpa
Viele bringen die Tuberkulose von ihren Fernreisen mit.

Einwanderung durch Auslandsaufenthalte

Gerade die multiresistenten Erreger halten durch Auslandsaufenthalte und Zuwanderung von Menschen aus gefährdeten Regionen wie Teilen Afrikas, Südostasien und einigen osteuropäischen Ländern auch in Industrieländern Einzug. Eine frühe Diagnose und konsequente Behandlung sind daher äußerst wichtig.

In Deutschland ist die Erkrankungsrate bisher zwar rückläufig, weltweit allerdings ist die Tuberkulose, kurz Tbc, nach wie vor eine der größten Gesundheitsgefahren. Jährlich erkranken mehr als neun Millionen Menschen, fast zwei Millionen sterben.

 

Infobox

Anzeichen der Tbc

Allgemeine Symptome der Lungentuberkulose sind Husten mit bisweilen blutigem Auswurf, Kurzatmigkeit und Schmerzen in der Brust. Unspezifische Symptome wie Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Ermüdung und Muskelschwäche kommen ebenfalls häufig vor.

 
 

Entzündung in der Lunge

Die Tuberkulose, auch Schwindsucht genannt, ist eine chronisch verlaufende Infektionskrankheit, die überwiegend die Lunge betrifft. Ausgelöst wird sie durch Tuberkelbakterien (Mycobacterii tuberculosi), die schon durch feinste Tröpfchen wie beim Sprechen übertragen werden.

 

Über die Atemluft gelangen die Bakterien in die Lunge. Dort verursachen sie eine Entzündung (Primärtuberkulose), die jedoch meist unbemerkt bleibt. Bei guter Abwehr werden die Erreger abgetötet. Übrig bleiben lediglich Gedächtniszellen des Immunsystems, die lebenslang in einem bestimmten Test zeigen, dass der Betroffene einmal Kontakt mit den Tuberkelbakterien hatte. Mediziner bezeichnen diese Form der Tuberkulose, bei der die Betroffenen nicht ansteckend sind, auch als "geschlossen".

 

Bakterien können jahrelang überleben

Eine Erkrankung kann allerdings auch noch Jahrzehnte nach der Infektion wieder ausbrechen (Reaktivierung). Es kann nämlich passieren, dass sich die Erreger einkapseln und dadurch über Jahre überleben. Diese Tuberkuloseherde können irgendwann später wieder aufbrechen - beispielsweise dann, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Sie können sich auch im Körper ausbreiten und andere Organe befallen.

Infobox

Kontakt

Deutsches Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK) Zum Heckeshorn 33, 14109 Berlin

Eine Infektion geht in der Regel von Menschen aus, die an einer offenen (infektiösen) Lungentuberkulose erkrankt sind. Darunter versteht man ausgebrochene Erkrankungen, bei denen der Krankheitsherd Anschluss an die Luftwege hat.

Viele Ärzte kennen Tbc nicht mehr

Gerade zu Beginn verursacht die Tuberkulose kaum Beschwerden, sie sind zudem meist nicht charakteristisch. Die Diagnose ist deshalb für Ärzte nicht ganz einfach. Hinzu kommt, dass viele Ärzte in ihrem Alltag kaum noch mit einer Tuberkulose in Berührung kommen und daher bei der Diagnose einfach nicht an diese Möglichkeit denken.

 

Neben der Krankengeschichte können eine körperliche und bakteriologische Untersuchung und das Röntgen der Lunge weitere Hinweise liefern. Meist macht der Arzt einen Tuberkulin-Hauttest, mit dem sich der Kontakt mit Tuberkelbakterien nachweisen lässt. Eine Infektion kann er auch durch einen Bluttest - einen Interferon-Gamma-Test - feststellen. Die sichere Diagnose lässt sich nur durch den mikrobiologischen Nachweis des Erregers zum Beispiel im Hustenauswurf oder Bronchialsekret stellen.

 

Infobox

Meldepflicht

Die Tuberkulose gehört zu den meldepflichtigen Erkrankungen. Das heißt, der behandelnde Arzt muss die Erkrankung dem zuständigen Gesundheitsamt melden.

 
Medikamente. Quelle: ZDF
ZDF
Die Therapie mit Medikamenten dauert etwa sechs Monate.

Lange genug behandeln

Die Standardtherapie erstreckt sich über einen Zeitraum von etwa sechs Monaten. Dabei verabreicht der Arzt eine Kombination verschiedener Antibiotika - in den ersten zwei Monaten vier Medikamente, anschließend für weitere vier Monate noch zwei Präparate.

Die Einnahme muss konsequent und über die verordnete Dauer erfolgen, auch wenn die Beschwerden bereits abklingen. Falsche oder unvollständige Einnahme der Medikamente kann zu einer Resistenzbildung führen und die Heilung der Tuberkulose erschweren oder sogar ganz verhindern.

 

Stätionäre Behandlung bei offener Tbc

Eine offene Tuberkulose muss wegen der großen Ansteckungsgefahr stationär erfolgen (Isolation des Patienten). Zwei bis drei Wochen nach Beginn der stationären Behandlung besteht aber keine Ansteckungsgefahr mehr, und die Isolation kann aufgehoben werden.

 

Wird eine Tuberkulose-Infektion diagnostiziert, sollte das Umfeld des Betroffenen per Hauttest oder Bluttest auf eine mögliche Ansteckung getestet werden.

 

Infobox

Impfung nicht mehr empfohlen

Die BCG-Impfung (Bacillus Calmette-Guérin) wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut seit 1998 nicht mehr empfohlen. Grund ist die begrenzte Wirksamkeit bei rückläufigen Tuberkulose-Fällen in Deutschland sowie die relative Häufigkeit von Impfkomplikationen. Dies entspricht den Empfehlungen der WHO, die vorgeschlagen hat, in Ländern, deren Infektionsrisiko für Tuberkulose unter 0,1 Prozent liegt, keine generelle BCG-Impfung zu machen.

 
 
  • del.icio.us
  • digg
  • facebook
  • twitter
  • myspace
  • mrwong
  • webnews
  • yigg