Wie gefährlich ein vermeintlich harmloser Kratzer werden kann, bekam der Schauspieler Fritz Wepper kürzlich zu spüren. Eine oberflächliche Verletzung - doch nur kurze Zeit später stellten sich die klassischen Symptome einer Sepsis ein: Schüttelfrost, hohes Fieber und Schweißausbrüche.
Am Anfang einer Sepsis steht immer eine Infektion wie beispielsweise eine Lungenentzündung, eine Entzündung im Magen-Darm-Trakt, in den Harnwegen oder eine Infektion nach einer Operation oder Verletzung. Die Erreger sind meist Bakterien. Die infektiösen Keime breiten sich im Körper aus und bilden Giftstoffe, so genannte Toxine. Diese wiederum können Entzündungen in allen Organen des Körpers auslösen. Zudem kann es zu Störungen der Blutgerinnung kommen.
In den Blutgefäßen können sich Gerinnsel (Blutpfropfen) bilden, die den Blutfluss behindern. Lebenswichtige Organe wie Niere, Lunge oder Herz werden nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt und können versagen. Die meisten Fälle treten in Krankenhäusern auf, besonders nach Operationen oder auf der Intensivstation, da das Immunsystem der betroffenen Patienten besonders geschwächt und anfällig ist.
Es werden drei Stadien unterschieden: Bei einer einfachen Sepsis verlassen die Erreger oder die von ihnen produzierte Gifte den ursprünglichen Entzündungsherd und breiten sich im Körper aus. Bei der schweren Sepsis versagen zusätzlich einzelne Organe abseits vom Infektionsort. Beim septischen Schock kommt es zum lebensbedrohlichen Blutdruckabfall und zum gleichzeitigen Versagen mehrerer Organe.

Der rote Streifen auf der Haut, von dem allgemein im Zusammenhang mit Blutvergiftungen immer wieder die Rede ist, spielt bei der Sepsis nur selten eine Rolle. Er entsteht, wenn Lymphbahnen entzündet (akute Lymphangitis) sind, etwa bei einer unbehandelten Wunde oder einem Abszess. Allerdings kann sich daraus eine Sepsis entwickeln.
Eine Sepsis äußert sich durch hohes Fieber, eventuell Schüttelfrost, Schweißausbrüche, schnellen Atem und beschleunigten Herzschlag. Die Patienten haben einen niedrigen Blutdruck und sehen meist blass oder grau-fahl und extrem krank aus. Sie erscheinen oft verwirrt und unruhig.
Die Symptome einer Sepsis sind in der Regel wenig spezifisch, das heißt sie finden sich auch bei einer Vielzahl Patienten mit anderen Krankheitsbildern. Daher gestaltet sich die frühe Sepsisdiagnose für die Mediziner oft schwierig. Tatsächlich sterben nach Schätzungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft jährlich bis zu 40.000 Menschen an einer Blutvergiftung. Mit neuen Methoden der Diagnostik im Blut von Patienten mit einer Infektion kann eine Sepsis heute jedoch früher erkannt werden, als dies nach den klinischen Kriterien häufig möglich ist.

Je früher eine Sepsis diagnostiziert wird, desto größer sind die Chancen, einen septischen Schock zu verhindern. Zur Behandlung werden in erster Linie geeignete Antibiotika verabreicht. Gegebenenfalls erfolgt die operative Entfernung des Infektionsherdes. Mit Kortison und aktiviertem Protein C stehen den Medizinern weitere Medikamente zur Verfügung. Beide haben gezeigt, dass sie den Verlauf einer Sepsis positiv beeinflussen, da sie die Reaktion des Immunsystems des Patienten verbessern.
Trotz allem kann eine Sepsis nicht immer zuverlässig verhindert werden. So können bestimmte Erreger beispielsweise gegen Antibiotika resistent sein. Patienten mit einer schweren Sepsis müssen immer intensivmedizinisch betreut werden.
Bei spätem Therapiebeginn, unklarem Infektionsherd oder dem Auftreten eines Multiorganversagens ist die Prognose ungünstig. Aufgrund der wachsenden Anzahl alter, geschwächter Patienten, zunehmender Antibiotikaresistenzen und immer mehr großen operativen Eingriffen kommt es außerdem immer häufiger zu einer Sepsis. Eine rechtzeitige Behandlung ist daher umso bedeutender.
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Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie
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