Im Winter sind die Fensterbänke oft trist, nichts blüht - also muss Farbe her. Diese versprechen Winterblüher wie die Anthurie. Die Flamingoblume, wie sie auch genannt wird, überzeugt nicht nur durch kräftige Farben, sondern auch durch verschiedenste Formen.
Jeder hat schon einmal Flamingoblumen gesehen. Einige halten die Schnittblumen sogar für Plastikpflanzen. Mittlerweile gibt es von der Zimmerpflanze "Anthurium scherzerianum" viele Züchtungen: vom ursprünglichen Rot bis zu cremefarbigem Porzellanweiß. Sie blüht das ganze Jahr über - am schönsten von Februar bis Mai.

"Anthurium andreanum" ist eine Art, die bei Orchideenhändlern erhältlich ist. Ihre Ansprüche ähneln denen von Orchideen. Mit der Zeit entstanden aus der "Anthurium andreanum" auch niedliche Mini-Exemplaren für die Fensterbank. "Da diese Pflanzen untereinander hybridisieren, sind viele Kreuzungen der beiden Anthurien-Arten auf dem Markt vorhanden", erklärt Pflanzenexperte Elmar Mai.
Als Schnittblume ist die Anthurie äußert beliebt. Vereinzelt hält die Blüte mehrere Monate. Vier bis fünf Wochen in der Vase sind dagegen keine Seltenheit. Dieses Sortiment ist sehr vielseitig und lässt in Hinsicht auf Größe der Blüten und Farben der Hochblätter keine Wünsche offen.

Anthurien gehören zu der Familie der Aronstabgewächse, von der es sogar eine heimische Wildstaude gibt. Aber im Gegensatz zu den auf dem Boden lebenden Arten, die oft Knollen bilden, sind viele tropische Vertreter Epiphyten (Aufsitzerpflanzen) und leben gemeinsam mit Orchideen im Geäst von Urwaldbäumen. In die unmittelbare Verwandtschaft gehören viele bekannte Zimmerpflanzen wie Philodendron (Baumfreund), Fensterblatt oder Aglaonema (Kolbenfaden).

Aronstabgewächse arbeiten mit einer Täuschung. Denn das, was wir als Blüte bezeichnen, ist in Wirklichkeit ein gefärbtes Hochblatt. Die eigentliche Blüte sind die kleinen Noppen am Blütenschweif, botanisch "Kolben" genannt. "Und da ein schickes Äußeres die Blicke auf sich zieht, sind die Bemühungen der Züchter nur allzu menschlich, nach noch schöneren Blüten oder schöneren Hochblättern zu suchen", so Elmar Mai.
Das gängige Sortiment wird im Gewebelabor unter absolut sterilen Bedingungen als Klon vermehrt. Die alternative Möglichkeit, sie durch Abtrennen von Tochterpflanzen (Ablegern) zu vermehren, könnte die Nachfrage nach reinen Sorten auf dem Weltmarkt gar nicht mehr decken.
Anthurien sind robuste und anspruchslose Pfleglinge. Als Aufsitzerpflanzen der südamerikanischen Regenwälder mögen sie keine direkte Mittagssonne und vertragen weder kalkhaltiges Gießwasser noch Staunässe. Einmal in der Woche von April bis September sollten Anthurien gedüngt werden. Außerdem müssen sie umgetopft werden, wenn die Wurzeln aus dem Topf ragen. Dabei das Wurzelwerk vorsichtig von der alten Erde befreien und in ein größeres Gefäß geben. Die Pflanze sollte beim Umtopfen geteilt werden, zum Beispiel Stamm- und Kopfstecklinge abtrennen oder die Mutterpflanze teilen.

Was Anthurien unbedingt brauchen, ist ausreichend Wärme und ein lockeres Substrat. Temperaturen um 20 Grad sind ideal. Im Winter, wenn sich die Knospen bilden, benötigt sie wiederum kühlere Temperaturen um 15 Grad. Orchideenerde ist bestens für die Flamingoblume geeignet. Außerdem sollte sie unbedingt vor Zugluft geschützt werden.
Gelegentlich sollten Anthurien in Wasser getaucht werden, um sich richtig vollzusaugen. Die Blätter, aber nicht das Hochblatt, können hin und wieder mit Wasser besprüht werden. Die Pflanzen sind auch ideal für die Hydrokultur. Der Wasserbedarf ist normal bis etwas reduziert.