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09. Februar 2010
 

Volle Kanne

 
Mo-Fr, 9.05 Uhr
Chef vor dem Computer. Quelle: imago
Gerade bei gut dotierten Posten werden die Bewerber genau durchleuchtet.

Saubere Weste im Internet

Viele Bewerber stolpern über Fotos und Einträge

Fotos vom Ballermann-Urlaub oder ein flapsiger Kommentar im Forum: Vieles, was spontan im Internet veröffentlicht wurde, kann Bewerber noch Jahre später einholen. Denn immer mehr Arbeitgeber durchforsten das Netz nach ihren potenziellen Mitarbeitern - und fördern manchmal Peinliches zutage.

 
 
 
 

Manche Fotos würde man seinem Chef auf keinen Fall zeigen - trotzdem stehen sie für jeden zugänglich im Internet und sind für künftige Arbeitgeber leicht auffindbar. Netzwerke wie StudiVZ, facebook oder myspace wimmeln von fragwürdigen Partybildern. Das kann für Jobsuchende verhängnisvolle Folgen haben. Immer mehr Firmen und Personalberatungen suchen im Netz Informationen über Bewerber - vor allem, wenn es um hoch bezahlte Posten geht. Dabei interessieren sich die Personalverantwortlichen nicht nur die berufliche Qualifikation, sondern auch für private Schnappschüsse und Äußerungen.

Deutsche Touristen sitzen an der Strandpromenade von S Arenal. Quelle: imago
imago
Manche Fotos kommen beim Chef nicht gut an.

Das Problem: Sind Bilder, Videos und Texte erst einmal im Netz gelandet, lässt sich das kaum wieder rückgängig machen. Das Sperren unerwünschter Inhalte ist problematisch. Wer Fotos oder Foreneinträge gelöscht haben möchte, muss in einem ersten Schritt über das Impressum herausfinden, wem die Seite gehört und denjenigen auffordern, die Einträge zu entfernen. In Deutschland ist ein Impressum Pflicht. Falls es fehlt, kann die Suche nach dem Inhaber der Internetadresse weiterhelfen, zum Beispiel über denic.de(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster) .

 

Kritische Beiträge entfernen

Ob der Betreiber der Aufforderung zum Löschen nachkommt, hängt vielfach von dessen Entgegenkommen ab. Meist haben sich die Betreiber einer Seite umfangreiche Nutzungs- und Verwertungsrechte einräumen lassen. Wenn sie sich stur stellen, und der Betroffene im Extremfall sogar im Ausland klagen muss, wird es schwierig, sein Anliegen durchzusetzen.

Gibt es einen 100-prozentigen Schutz im Internet?. Quelle: Delater/Pixelio
Delater/Pixelio
Einmal im Netz, lassen sich die Daten schwer sperren.

Selbst Einträge, die gelöscht und vermeintlich verschwunden sind, sind trotzdem noch im Internet auffindbar, zum Beispiel weil sie auf anderen Seiten verlinkt sind. Frühere Fundstellen werden oft im cache (einem eigenen Zwischenspeicher) gelagert. Um sie verschwinden zu lassen, muss man mit den Suchmaschinen-Betreibern Kontakt aufnehmen. Selbst wenn diese Hürde genommen wurde, folgen noch weitere: Es gibt Webseiten, die automatisch öffentliche Archive von früheren Webseiten anlegen.

 

Persönlichkeitsrechte achten

Es kann auch sein, dass man die kritischen Inhalte gar nicht selbst ins Netz gestellt hat, sondern Freunde - oder manchmal auch jemand, der einem schaden will. Auch dann ist es nicht leicht, die Inhalte entfernen zu lassen. "Auch im Internet gilt das Recht auf freie Meinungsäußerung", erläutert Fachanwalt Michael Terhaag. "Nur weil mir ein Kommentar zu meiner Person nicht gefällt, hab ich nicht automatisch das Recht, ihn entfernen zu lassen." Rechtlich durchsetzbar sei das Entfernen dann, wenn unwahre Behauptungen oder Beleidigungen verbreitet würden. Bei Fotos oder Videos gilt: Jeder hat das Recht am eigenen Bild und darf selbst über eine Veröffentlichung entscheiden.

 

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Professionelle Ruf-Manager

Weil sich viele Privatleute mit der Löschung ihrer Internet-Spuren überfordert fühlen, gibt es mittlerweile professionelle Anbieter, die versprechen, die "weiße Weste" ihrer Auftraggeber wiederherzustellen. Diese so genannten Reputationsmanager prüfen, wo noch Informationen versteckt sind und veranlassen, dass die Einträge gelöscht werden. Wenn auch dies nicht fruchtet oder die Zusammenhänge sehr komplex sind, hat man die Möglichkeit einen Anwalt einzuschalten.

 
Suchmaschine Google. Quelle: imago
imago
Die Suchmaschinen-Treffer kann man beeinflussen.

Für positive Einträge sorgen

Eine andere Strategie, sich eine gute Reputation zu verschaffen, besteht darin, Einträge mit qualifizierten Inhalten zu lancieren, sodass sie von den Suchmaschinen als erste angezeigt werden. Das ist zeitaufwändig, kann sich aber lohnen. "Es geht darum, negative mit positiven Inhalten zu kontern und sie so nach hinten zu verschieben", erläutert Experte Terhaag das Vorgehen. Berufsprofile mit Lebensläufen und Referenzen lassen sich zum Beispiel bei Netzwerken wie Xing oder LinkedIn anlegen. Auch facebook kann für berufliche Kontakte interessant sein.

 

Wer das Internet professionell für eine positive Selbstdarstellung nutzen möchte, kann qualifizierte Aussagen zu bestimmten Themen unter eigenem Namen im Netz platzieren. Dazu eignen sich Blogs, der Internetdienst Twitter oder Diskussionsforen auf Geschäftsplattformen. Um sicherzugehen, dass die digitalen Spuren gefunden werden, kann durch E-Mails und auf Webseiten auf eigene Beiträge und Profile auf anderen Seiten verweisen.

 

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Eigene Bewerbung-Domain

Eine Internet-Domain mit dem eigenen Namen ist ebenfalls sinnvoll. Bei Google tauchen Domains mit eigenem Namen immer unter den ersten Suchergebnissen auf. Die Seite kann als offizielle Bewerbungs-Homepage genutzt werden.